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Warum gähnen wir ?
1er.02.2016

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Man lacht, wenn etwas lustig ist, man kratzt sich, wenn es juckt und man nießt, wenn es in der Nase kitzelt. Aber warum gähnt man ?
 
Weil man gut gegessen hat ! Oder wenn man müde ist. Aber auch bei Langeweile und natürlich beim Aufwachen. In diesen Momenten stellt das Gehirn ein Sinken unseres Tonus (Spannungszustand der Muskulatur) fest und löst ein Gähnen aus.*
 
Aber wozu ist das Gähnen überhaupt gut ? In Wahrheit weiß man noch gar nicht genau, warum wir gähnen. Eine der verschiedenen Vermutungen ist es, dass uns das Gähnen beim Aufwachen hilft. Das Gehirn befiehlt unseren Rückenmuskeln und unserer Atemmuskulatur (Mund, Hals und Brust) sich zu strecken und unserem Herz seine Herzschlagfrequenz zu erhöhen. Mit Sicherheit weiß man jedoch, dass wir nach dem Gähnen wieder wachsamer und aufmerksamer sind. 
 
Ein alltäglicher Reflex. Gähnen ist ein Reflex, das heißt ein unwillkürliches Verhalten, das man nicht verhindern kann. Es läuft in drei aufeinanderfolgenden Etappen ab : ein tiefes Einatmen, eine Blockade der Luftzufuhr (Atemstillstand für eine Sekunde) und ein schnelles Ausatmen. Im Durchschnitt dauert es 6 Sekunden. Ein Erwachsener gähnt 5 bis 10 Mal am Tag, also um die 240.000 Mal in seinem Leben. Dieses alltägliche Phänomen findet man auch bei fast allen Tieren, die ein Skelett haben (Wirbeltiere) wieder, mit Ausnahme der Giraffe. Sogar ein Fötus von 12 Wochen gähnt schon im Bauch seiner Mutter. Auch das ist eine Gemeinsamkeit aller Säugetiere. 
 
Ein ansteckendes Phänomen ? Ja richtig, Gähnen ist ansteckend : schaut man einer Person beim Gähnen zu, verspürt man selbst den Drang dazu. Wenn man sich emotional nahe ist, kommt diese unbewusste Nachahmung noch häufiger vor. Neben den Menschen sind die Schimpansen die einzigen Lebewesen, die die Fähigkeit haben, sich in andere hineinzuversetzen (man nennt das Empathie). Das bedeutet, dass wir die Gefühle der gähnenden Person nachvollziehen können, genauso wie wir uns schlecht fühlen können, wenn wir sehen, dass sich jemand verletzt oder mit jemand anderem mitweinen. Also, wie viele Male musstet ihr beim Lesen dieses Artikels gähnen (und natürlich nicht, weil er so langweilig ist) ? Tatsächlich ist die Ansteckungskraft so stark, dass es genügt, nur davon zu sprechen, um ein Gähnen auszulösen. 
 
Und falls ihr immer noch nicht gegähnt habt, dann schaut euch unter dem folgenden Link das Video an und versucht dabei nicht zu gähnen. 
 
 
Sandra Bail
Wissenschaftsvermittlerin
 
 
*Hättet ihr’s gewusst ? Oft streckt man sich beim Gähnen und zwar um die Muskeln aufzuwecken.