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Wieso heißen die Noten in Frankreich Do, Re, Mi, Fa, Sol, La, Si?
1.12.2015

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Vor etwa 1000 Jahren arbeitete der Mönch Guido von Arezzo als Gesanglehrer in der italienischen Stadt Arezzo. Damals mussten die Schüler alle Melodien auswendig lernen. Die jungen Mönche brauchten über zehn Jahre, um sämtliche Choräle zu erlernen. Guido wollte die lange Lernzeit seiner Schüler verkürzen. Er entwickelte daher ein Notensystem mit vier Linien, auf die er die Noten zeichnete. So konnte er die Melodien aufschreiben. Diese Notenschrift, bei der die tiefen Töne unten und die hohen oben erscheinen, wird - ergänzt um eine zusätzliche fünfte Linie - bis heute benutzt.
Guido erfand aber auch eine Technik, um sich die Noten leicht zu merken. Dafür benannte er sie mit den Anfangssilben aus der lateinischen Johannes-Hymne: Ut, Re, Mi, Fa, Sol, La.
Er komponierte dazu eine Melodie, die es erlaubt, die Silben mit den entsprechenden Tonhöhen zu singen.
 
Ut queant laxis - Auf dass die Schüler
Resonare fibris - mit lockeren Stimmbändern mögen
Mira gestorum - zum Klingen bringen können die
Famuli Tuorum - Wunder deiner Taten,
Solve Polluti - löse die Schuld
Labii Reatum - der befleckten Lippe,
Sancte Ioannes - heiliger Johannes
 
 
Da die Silbe Ut schwierig zu singen ist, wurde sie später durch Do von Dominus ersetzt. Dominus ist ein lateinisches Wort für Gott. Die siebte Note wurde Si benannt, wobei die Anfangsbuchstaben S von Sancte und I von Iohannes zusammen gezogen wurden. Heute werden in Frankreich und anderen romanischen Ländern wie Italien und Spanien die Noten der Tonleiter Do, Re, Mi, Fa, Sol, La genannt. Diese Tonsilben haben sich aber nicht in allen Ländern durchgesetzt. So werden im englischsprachigen Raum und in Deutschland für die Töne der Tonleiter die Buchstaben des Alphabets verwendet.
 
Hier könnt ihr die Johannes-Hymne hören:
 
 
Stephan Kayser
Wissenschaftsvermittler